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21. Februar 2024 | News

Gerichtsurteil Bargeldverkehr

Neues Gerichtsurteil für Betriebe mit bargeldintensivem Geschäftsverkehr

Im Oktober 2023 erschien ein Gerichtsurteil des Spezialverwaltungsgerichts Steuern des Kantons Aargau, welches die Konsequenzen eines unsachgemässen Bargeldverkehrs aufzeigt.

Ein Hofladen mit intensivem Bargeldverkehr, kein sauber geführtes Kassenbuch und keine Deklaration des Kassenbestandes per 31. Dezember führten zu einer Aufrechnung von rund Fr. 46‘000 am Einkommen des Steuerpflichtigen in der Folgeperiode.  

Nach der Rechtsprechung des aargauischen Verwaltungsgerichts ist das Kassenbuch von grosser Bedeutung für die Beurteilung, ob eine Buchhaltung ordnungsgemäss geführt wurde oder nicht. Eine nicht ordnungsgemäss geführte Buchhaltung darf die Steuerbehörde zurückweisen und stattdessen eine Ermessensveranlagung vornehmen. Sammelbuchungen aller Einnahmen am Ende des Monats oder fehlende Kassenstürze können bei einem bargeldintensiven Geschäfts wie einem Hofladen nicht den Erfordernissen einer ordnungsgemässen Buchführung genügen.

Für die Betriebe mit intensivem Bargeldverkehr heisst dies:

Um Aufrechnungen von Einkommen in der Steuererklärung zu vermeiden, muss das Kassenbuch korrekt geführt werden. Das bedeutet eine vollständige Aufzeichnung der Einnahmen und Ausgaben. Das Kassenbuch muss detailliert und chronologisch nachgeführt werden. Der Saldo ist regelmässig, nach Angaben des Spezialverwaltungsgericht täglich, zu ermitteln und mit dem tatsächlichen Kassenbestand zu vergleichen. Allfällige Differenzen sind sofort zu verbuchen.

Der Beweiswert eines Kassenbuchs wird insbesondere durch nicht chronologische Eintragungen, Nachtragsbuchungen, Eintrag von runden Beträgen oder Sammelposten, das Fehlen von Buchungsunterlagen wie Quittungen, Kassenstreifen oder Rechnungsdoppel reduziert.

 

Twint als Alternative?

Durch das automatische Überweisen von Twint Einnahmen auf das Bankkonto entfällt das Führen eines Kassenbuchs für diese Einnahmen. Twint Einnahmen bringen jedoch andere Schwierigkeiten mit sich.

Gerade bei Betrieben, die für private und geschäftliche Twinteinnahmen den gleichen Twint-Account oder das gleiche Bankkonto benutzen, ist die jeweilige Zuordnung schwierig, vor allem, wenn die Buchhaltung erst Ende des Jahres nachgeführt wird.

Wir empfehlen ausschliesslich private Twint Einnahmen (z.B. Rückzahlung von Restaurantbesuchen oder Geburtstagsgeschenken) über ein privates Bankkonto abzuwickeln, während geschäftliche Twinteinnahmen (z.B. Hofladen, Heu- oder Tierverkäufe) auf das Betriebskonto einbezahlt werden.

Jede Bank verfügt über eine eigene Twint-App. Folglich ist es am sinnvollsten, die Twint-Thematik mit Ihrer Bank zu besprechen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, z.B. via Natelnummer oder QR-Code, die verschiedenen Einnahmen und Konten auseinander zu halten. Die Twint-App darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden, sie ist der privaten Nutzung vorbehalten. Für kommerzielle Zwecke ist Twint für Geschäftskunden zu verwenden (bspw. mit QR-Code)

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